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Wednesday, 6 May 2026

Das Erwachen des Keims


Ohne dass du
aus dem Schlaf
erwachtest,

regte sich
eine Spur
in der Erde.

Die Nacht—

eine Stille
verschob sich.

Vor der Dämmerung

gähnte
eine Wurzel
im Herzen der Erde.

Ein junger Trieb
hob sein Haupt
aus der Erde.

Ein Keim
öffnete im Morgen
die Augen.

Ein nackter Halm
reckte sich
dem Licht entgegen

und stand
im Wind.

Zwischen zwei Blättern

ließ sich
ein Tautropfen
nieder.

Blatt um Blatt

entfaltete sich
lautlos,

und der nackte Leib
des Baumes
wurde verhüllt.

Die Erde
im Schatten des Baumes
schlief.

Ein Vogel
baute sein Nest.

Der Ast
zitterte
vor Freude.

Wolken
warfen Schatten.

Der Wind
blies scharf.

Gelb
legte sich
auf das Blatt,

fiel
zur Erde.

Der Ast
blieb
nackt.

Die Erde
unter dem Teppich
des Herbstes
wurde bedeckt.

Im Herzen der Erde

erhob sich
ein Keim
von Neuem.



— Arsalan, Wiesbaden
30. April 2026



از نظر ادبی در آلمانی:

این نسخه بیشتر به فضای moderne freie Lyrik (شعر آزاد معاصر آلمانی) نزدیک است، نه شعر کلاسیک قافیه‌دار.
واژه‌هایی مثل:

  • im Herzen der Erde (در دل زمین)

  • lautlos (بی‌صدا)

  • vor Freude zitterte (از شوق لرزید)

کمک می‌کنند روح شعر فارسی حفظ شود، بدون اینکه متن در آلمانی ترجمه‌زده به نظر برسد.

صادقانه بگویم: این متن در آلمانی هم واقعاً مثل شعر خوانده می‌شود.

Thursday, 30 April 2026

Ein geliehener Keim







In mir bist du gewachsen
ein Laut
aus dem Unbewussten des Gartens,
der sich in meine Seele schlich.

Du triebst aus
in einer fremden Gestalt,
die im Rausch der Worte
Wurzeln schlug.

Du blühtest
in der Farbe namenloser Blumen,
mit einem Duft,
der die Erinnerung deiner Umarmung
in meinen Atem legte.

Und schließlich
bliebst du zurück
in einem Herbst
von der Stille kahler Zweige.

In meinen Augen hast du geweint,
als der Schmerz
aufstöhnte,
aus Seelen, die liebten,
doch
wie Blätter
auf ein Zeichen des Windes
zu Boden fielen.

In mir hast du geschrien,
mit Worten
aus dem Geschlecht des Giftes,
im Griff einer Gefangenschaft,
die dem Garten
das Licht verweigert.

Und wieder
hast du vom Werden erzählt,
damit ich nicht
wie ein Blatt,
das seine Jahreszeit verloren hat,
in der Erde
zur Ruhe komme.

In mir bist du gewachsen,
du blühtest,
du weintest
und lächeltest

damit ich das Leben
aus deinem Unbewussten
nur geliehen
mit mir weitertrage


Arsalan — Wiesbaden
26. April 2026

Friday, 24 April 2026

In der Umarmung des Fensters




Der Wind
sang von dir

Der Mond stand still,
sprach nichts

Ein Baum bis zum Morgen
vor Warten
zitterte


Deine Erinnerung
mit den Worten des Regens
fiel aufs Dach… fiel hinab

Selbst das Pflaster
hörte
das Schweigen der Gasse

Ein altes Blatt
über den nassen Hof
rollte weiter

Ein trauriges Herz
erbarmungslos
wand sich in sich selbst

Der Morgen jedoch
hinter der Tür
kam zu spät



Die feuchte Erinnerung deines Blicks
kroch an der Wand… kroch hinauf

Das Rascheln der Schuhe
durch den Wind
drehte sich

Die Nacht
floh leise


Der Sturm
raubte die Spur
deiner Schritte… raubte sie fort

Die Mauer der Gasse
weinte



In der Umarmung des Fensters
atmete es
den Duft der Frühlingshände

Vom Rausch deiner Ankunft
das Blut einer Knospe
durch blattlose Erde
stieg empor

Das Blut einer Knospe
durch blattlose Erde
stieg empor…
empor.


Friday, 10 April 2026

Abschnitt IV: Fragiles Licht

 



16

Ein heller Zweig
der Pappel
in der Tiefe der Nacht—
verströmt
den Duft
der Befreiung


17

Im Verborgenen
der Dunkelheit
ein Glühwürmchen
gähnte—
und tausend Köpfe
drehten sich
zum Licht
niemand
fragte nach seinem Namen


18

Der Morgen
kam—
doch zu spät
für einen Blick
der längst
geschlossen blieb


19

Das Fenster war offen—
doch der Tag
hatte
seinen Weg
verloren


20

Deinen Namen
flüsterte ich—
die Nacht
blieb wach
bis zum Morgen
und wartete


✍️ Arsalan — Wiesbaden

10. April 2026 🌿

Abschnitt III: Kampf und Widerstand

 



12

Meine Hand
nahm ich—
damit ich
im schwarzen Loch
der Erinnerungen
nicht verschwinde


13

Der Weg
hatte nicht einmal
die Hälfte erreicht—
doch die Füße
wollten
nicht glauben


14

Das Lachen
zerfloss
in meinen Augen—
und fand im Weinen
einen Weg
zu überleben


15

Als ich meinen Fuß
auf den Boden setzte—
zerfiel
die Macht der Nacht


✍️ Arsalan — Wiesbaden

10. April 2026 🌿

Abschnitt II: Einsamkeit und Zerfall

 



6

Die Einsamkeit
angezogen—
ein zerlumptes Kleid
das noch immer
durch seine Nähte
Schmerz
tropfen ließ


7

Keine Träne sichtbar,
kein Lächeln erkennbar—
nur eine Maske
um vom Weitergehen
nicht abzuhalten


8

Das Herz
zerbricht
lautlos—
wie ein Tropfen
der fällt
in die endlose
Dunkelheit


9

Der Tag,
erschöpft
von der Angst der Nacht,
griff
nach dem Weiß
eines Blütenblatts


10

Die Dunkelheit
schlug ihr Zelt
über dem Feld auf—
ein Regen aus Blüten
konnte
ihr nacktes Schwarz
nicht bedecken


11

Die Nacht
glitt
durch das Fenster—
und ließ sich
still
im Herzen
des Hauses nieder


✍️ Arsalan — Wiesbaden

10. April 2026 🌿

Abschnitt I: Stille und Verfall

 



1

Der Schrei eines Kindes
im Hals erstickt—
die Welt
wählte
die Stille


2

Eine Mutter weinte—
eine Spur von Blut
legte sich
still
auf das Gesicht der Erde


3

Die Wüste
seufzte—
der Himmel
blieb
taub


4

Das Schweigen der Wand
war höher
als
die Höhe
eines Schreis


5

Der Schmerz
ging nirgendwohin—
er
veränderte
nur seine Form


✍️ Arsalan — Wiesbaden

10. April 2026 🌿

Wednesday, 8 April 2026

Stille Fragmente ( شعرهای کوتاه )

 


1
Als nur Stille war,
wurde dein Name
zum ersten Klang.


2
Die Stille des Himmels
lag schwer auf meinen Schultern—
dein gedachter Klang
ließ sie zerbrechen.


3
Ich flüsterte deinen Namen—
die Haut der Stille
bekam Risse.


4
Zur Wand hin
sagte ich etwas—
mein Schatten
gab Antwort.


5
Die Nacht
schmolz in meinem Blick.

Niemand verstand,
woher der Morgen kam.


6
Mit Schmerz
lächelte ich—

die Welt
weinte.

Der Morgen
war vor mir wach.


7
Die Nacht
faltete ich
unter mein Kissen.

Der Morgen
lugte durchs Fenster.


8
Die Dunkelheit
zerbrach
in meinen Fäusten—

Licht sickerte
durch den Türspalt.


9
Eine einsame Wolke
sprach von Regen
für die Risse der Wüste.


10
In einen Eimer Asche
pflanzte ich einen Keim—

der Rauch
wurde grün.


11
Ich atmete
den Geruch der Erde—

eine Wurzel
wuchs in mir.


✍️ Arsalan – Wiesbaden
7. April 2026 🌿

Thursday, 2 April 2026

Wir müssen wieder tanzen ( باز باید رقصید )

 


Wovon kann man singen?
Wie beginnt man
eine Geschichte?

Von einem Tropfen,
der sich plötzlich
dem Griff der Wolken entzieht?
Oder vom fiebrigen Schrei der Wüste,
der die schwere Stille des Himmels
zerreißt?

Von der Scham der Trümmer,
die den unreifen Schrei eines Kindes
im Hals ersticken lässt?
Oder vom mütterlichen Klagen,
das blutige Spuren
auf die Wange der Welt legt?

Von Dichtern,
die das furchtlose Leben
in Liebesgesängen besangen
und Abschied und Dasein
aneinander nähten?

Was kann man singen?
Vielleicht
beginnt man die Geschichte so:

Mit einer Maske aus Lächeln
weinen,
im Schluchzen
tanzen,
im Rausch des Zorns
die Erde
erschüttern

Die Einsamkeit
auf sich nehmen,
im Ausbruch der Tränen
lachen,
eine Flamme des Bewusstseins
auf dem Feld
erstrahlen lassen

Solange es möglich ist—
die Nacht der Furcht
aus der Tiefe der Seele
hervorholen,
ein weißes Gewand
aus Akazienblüten
anlegen
und den zarten Setzling von Morgen
erneut
in die Erde der Heimat
pflanzen

Man kann—gewiss—
wieder lachen,
tanzen,
gegen den Himmel
furchtlos aufbegehren,
die Stille des Himmels
zum Einsturz bringen
und einen anderen Entwurfَ
in den Farben der Erde
erschaffen


توضیح کوتاه

  • «Wir müssen wieder tanzen» → نزدیک به «باز باید رقصید» (با حس ضرورت)

  • «Solange es möglich ist» → معادل طبیعی «تا می‌شود»

  • «erschaffen» → معادل «آفرید» با همان حس خلق



Friday, 13 March 2026

Ein Trauriges Haft-Sin ( هفت سین غمگین )





Aus den letzten Blättern
des Papierkalenders
in der Ecke des Tisches
ließ sich schon erkennen:

Das traurige Herz des Jahres
ist unruhig,
bereit, sich
dem neuen Jahr zu übergeben.

In der Atmosphäre
dieser hoffnungslosen Tage

muss vielleicht
ein Haft-Sin
aus gemeinsamem Schmerz
aufgestellt werden.

Vielleicht aus
der verborgenen Kälte der Seele,
der dunklen Decke des Himmels,
dem brennenden Schmerz
des Wahnsinns der Zeit,

einer Pappel,
noch immer aufrecht,
doch blutrot gefärbt,

einem vertrockneten Lied
auf zitternden Lippen,

der ungläubigen Trauer
der Mütter,

und dem Regen der Grausamkeit
aus jeder Ecke
auf den schutzlosen Körper
dieses Landes.

Und dort —
an der Brust der Zimmerwand —
der neue Papierkalender,

schon müde
von all diesem Warten,

blickt still
auf den Augenblick,
an dem das unheilvolle Jahr
endlich enden wird.



Arsalan – Wiesbaden
13. März 2026




Hinweis:
Das Haft-Sin ist ein traditioneller Tisch zum persischen Neujahrsfest Nowruz, das zur Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert wird. Auf diesem Tisch stehen normalerweise sieben symbolische Gegenstände, deren Namen im Persischen mit dem Buchstaben „S“ beginnen und Leben, Erneuerung und Hoffnung darstellen. In diesem Gedicht werden diese traditionellen Symbole jedoch durch Bilder des gemeinsamen Schmerzes ersetzt. Das Gedicht beschreibt die Spannung des Moments des Jahreswechsels, wenn das alte Jahr endet und ein neues beginnt.

Wednesday, 4 March 2026

Zwischen dem Pflaster ( لابه لای سنگفرش )

 



Die Lichter
bleiben an.
Die Angst
blinzelt nicht.
Die Stadt
fällt in Schlaf.

Ein Körper,
atemlos,
am Rand des Rinnsteins
zurückgelassen.

Die Gasse
verschluckt den Schrei,
damit nur
ein namenloser Name
unter den Lippen
weiterflüstert.

Zwischen den Pflastersteinen
hebt
ein stilles Leben
wieder
den Kopf.

Arsalan – Wiesbaden
2. März 2026

Monday, 2 March 2026

Sing mit mir (Nachdichtung aus dem Persischen)

 


Öffne deine freien Arme,
damit sie meine Sehnsüchte
an sich drücken
und den bitteren Trank des Scheiterns
aus dem Grund der Seele
der Erde des Vergessens übergeben.

Ach, könnte ich doch
den Riegel des alten Hauses
in meiner Faust halten,
den Blick
den wartenden Augen anvertrauen,
die einst am hölzernen Fenster
mir entgegenkamen.

Du bist jene,
die die Zeit
nicht zurückdreht;
jene, die
Nacht für Nacht
im Traum
mich zum Licht des Morgens ruft.

Ein klares, regnendes Lied,
das dem Gesicht
ein Lächeln schenkt;
wie der glanzvolle Aufgang der Sonne,
hinter dem Schleier der Wolken,
der die Trauer bedeckt.

Sing mit mir
von jenen Zeiten,
in denen der Regen der Beklemmung
deine Leere
auf dem Weiß des Papiers
nachzeichnet.

Sing mit mir,
denn deine Worte
sind der Glaube an das Leben;
in einem Nirgendwo,
wo das Ungeheuer des Todes
brüllt
und die Liebe
im Haus des Herzens
mit gezücktem Dolch
verwundet.

Ein wunderbares Gefühl von Ruhe,
das im Getöse von Zorn und Blut
nicht verblasst
und jedes Mal in mir
ein Lied
mit herbem Geschmack
erblühen lässt.

Sing mit mir,
klangvoll und ohne Furcht,
du Ganzes von
Leib und Seele.

Meine Mutter,
meine Heimat

Arsalan – Wiesbaden
29. Januar 2026

Der vertrauteste Unbekannte ( آشناترین ناشناس )

 



Der vertrauteste Unbekannte
war
eine namenlose Nummer,
die auf den schwarzen Leichensack
geheftet wurde.
Seinen Namen
hatte man
längst
begraben.

———

Keine Quelle entsprang,
um seinen Körper
mit heiligem Wasser zu waschen,
bevor
die Einflüsterung der Erde
ihn erneut
aufrief,
aufzustehen.

———

Sie lassen sich nicht zählen;
weder ein Dhū l-Hiddscha
in der unfruchtbaren Wüste von Minā,
noch ein blutiger Frühling
auf dem Platz des Himmlischen Friedens.
Überall ein erdiger Winter,
von dem man sagte,
aus seinem Himmel
werde
Barmherzigkeit
regnen.

———

Ein unvermeidliches Schicksal
in der Wiederholung des Wartens,
auf verheißene Hände,
die dich
tausendfach
in die Erde
gelegt haben.

———

Niemand
beabsichtigt zu helfen;
aus den zerrissenen Stücken deiner Seele
formen sie Erzählungen,
um ihr eigenes Spiel
zu Ende
zu bringen.

———

Ich hörte eine Geschichte
von fernen Ländern,
wo seit langem
jeden Morgen
zurückgebliebene Minen im Boden
die zerfetzten Körper der Vorübergehenden
in die Luft
schleudern.
Doch dieses Mal
sprechen die Worte
von einem nahen Land,
das den Anfang
aller dieser Geschichten
trägt.

———

Arsalan – Wiesbaden
16. Januar 2026


Monday, 16 February 2026

Neue Zeit ( روزگار نو )





Das alte Jahr
ist zu Ende gegangen;
den Atem der Erneuerung
kann man
noch atmen.

Die Nachrichten sind zahlreich;
in der würdevollen Erwartung
von Knospen,
die mit dem Winterwind
ringen.

Der Winter,
scheinbar eine Jahreszeit,
in der die Erde
kalt ist
und das Herz
warm bleibt.

Dein Herz findet Ruhe,
wenn das Yalda-Los
die Verheißung brachte,
dass die Welt
nicht auf ewig
so bleiben wird.

Der Garten,
müde von täglicher Plünderung,
fürchtet
die Fruchtpflücker von morgen.

Die Zeit
lässt sich nicht
zurückdrehen;
ein anderes Zeitalter ist angebrochen,
eine Generation
von anderer Farbe.

Ein Gemisch aus
Gesang und Schmerz;
selbst das Weinen
reicht nicht aus,
wenn den Preis für uns
unsere Kinder
bitter
bezahlen.

Die Zeitung von morgen
liest niemand;
obwohl die Schriften
unzählbar sind.

Was wir einst
mit Andeutungen
im Verborgenen schrieben,
rufen sie nun
mit entblößter Stimme
auf der Straße.

Wie soll man singen,
wenn die Worte
hinter dem Lesen
deiner Kinder
zurückbleiben?

Man könnte sagen:
Die Liebe
ist kein Flüstern
mehr zwischen zweien;
sie fließt
durch jede Ecke der Stadt.

Aus der Überzeugung der Fremdheit
kann man das neue Jahr
nicht im Voraus
gratulieren;
doch
möge die neue Zeit
euch wohlgesinnt sein.


Arsalan – Wiesbaden
8. Januar 2026


Tuesday, 6 January 2026

Der Winter ist gekommen



Der Winter ist gekommen
und die ziellosen Schneeflocken
schweben
zwischen
Himmel und Erde

Ein kalter Wind setzt ein
meine Schritte rutschen
ich lese die Nachrichten
ein bitteres Gefühl

Was macht es für einen Unterschied
mit der Geste deiner Hände
einen Befehl zu überbringen
oder
den Abzug zu betätigen

Zorn in leeren Händen
Hände mit einer Handvoll Steine
Hände ohne Waffen
überlegene Hände
zweifellos
gibt es viele

Hände
die Gesichter
blutig zerkratzen
Hände
die Kreise der Verbundenheit schließen
Hände
die an die Wand des Schweigens
Farben aus Namen und Schande werfen

Dir ist schwer ums Herz
ich weiß
von Herz zu Herz
führt ein Weg
selbst wenn der Boden
gefroren ist

Der unheilvolle Klang der Kugeln
erreicht uns
jeden Tag
Platzpatronen
Übungsschüsse
Gummi
doch die Toten
sind real

Ein weißlicher Rauch
liegt über der Straße
er brennt in den Augen
vielleicht von derselben scharfen Art
wie jener Geruch
der über Halabdscha fiel

Ein Mülleimer
ist der einzige sichere Zufluchtsort
der hin und wieder
in Flammen steht

Die ziellosen Schneeflocken
haben den Boden
weiß bedeckt
vielleicht gibt es eine Nachricht
die noch
nicht aus der gefrorenen Tasche der Nacht
hervorgetreten ist


Arsalan – Wiesbaden

4. Januar 2026



Sunday, 28 December 2025

Vierundzwanzig Stunden

 


Am Markt
am Ende des Jahres
ließ sich
im Gedränge
die Stille
einer fremden Anwesenheit
leicht erkennen.

Eine Kälte,
die in den Körper eindringt,
hat
irrtümlich
einen warmen Zufluchtsort
gewählt.

Im Dunkel des Zimmers
marschieren
unzählige Bilder
aus Nähe und Ferne
vorüber.

Die Nacht hat nicht vor zu gehen;
vielleicht
ist sie
in der Vorstellung
einer nächtlichen Einladung
gekommen.

Die Zeit
hat hier
eine andere Beschaffenheit;
die Tage
vergehen schnell,
die Nächte
langsam.

Der Wind
schlägt
so heftig
an die Tür;
als erfülle er
den Wunsch
eines Wartens
auf jemanden.

Frag nicht nach uns;
der Ansturm
grauer Erinnerungen
wütet.

Warten,
und hin und wieder
das hastige Klingeln des Handys;
ein Kaffee,
der kalt geworden ist.
Und wieder
die Lautlosigkeit
des Wartens.

Hinter dem Fenster,
im hölzernen Rahmen,
trägt die Hütte
am Rand des Hofes
ein Geheimnis
der Einsamkeit
in sich.

Man muss
jeden Tag
über den nassen Boden gehen,
in der Vorstellung,
dass die Entfernungen




Arsalan – Wiesbaden
24. Dezember 2025

Monday, 22 December 2025

Yalda ( بازآفرینی آلمانیِ شاعرانه )

 





Dieses Jahr,
im Atem des lichtgesinnten Alten Schaliar,
werfe ich mein Los
mit granatroten Kernen,
damit – wie das Rouge der Morgenröte –
das Herz
vom bleiernen Ton des Winters
erlöst werde
und der verwundete Leib der Erde
sich in ein kostbares Gewand des Frühlings hülle.

Dieses Jahr
nehme ich mir Yalda vor
mit den Worten des geheimen Sehers;
Blatt um Blatt,
bis es offen spricht:
dass der Wein in der Hand
und die Blume im Schoß erblüht;
und zuletzt
nach Rettung
mit ganzem Verlangen sucht.

Dem Morgen
schließe ich im Licht der Dämmerung
einen Bund,
dass er auf der Höhe der Zeit
eine Fackel entflamme,
den Horizont erröte
und die Sehnsucht
aus dem Herzen des Liebenden
vertreibe.

Yalda
übergebe ich der nächtlichen Stille
als Botschaft der Verheißung,
wenn der Lauf der Tage
das verfallene Haus
aus der Gefangenschaft löst,
den Verschlag der Einsamkeit
dem Gewand des Lichts öffnet
und in der Wüste der Erschöpfung
klares Glück
erklingen lässt.

Yalda –
am lichtvollsten Tag des Jahres
werfe ich erneut
mein Los.


Arsalan – Wiesbaden
20. Dezember 2025


یادداشت کوتاه (برای اطمینان تو)

  • «تفأل» → Los werfen (طبیعی‌ترین معادل آیینی در آلمانی)

  • «لسان‌الغیب» → der geheime Seher (حافظ بدون نام‌بردن مستقیم)

  • «می در کف و گل در بر» → تصویر حفظ شده، نه نقل مستقیم

  • لحن: رسمی–شاعرانه، مناسب مجله‌ی ادبی آلمانی

اگر بخواهی:

  • نسخه‌ای کلاسیک‌تر / مدرن‌تر بدهم

  • یا نسخه‌ای کاملاً مناسب دکلمه‌ی آلمانی

  • یا توضیح کوتاه فرهنگی (Yalda / Schaliar / Hafez) برای چاپ کنار شعر

بگو کدام را می‌خواهی.

Thursday, 18 December 2025

Die Zeit ist bitter ( روزگارِ تلخ )(Literaturzeitschrift)




Das schneeweiße Gewand
legt sich still
auf den dunklen Körper der Zeit.

Ein Blatt,
lautlos
im Erdreich verlöschend,
zählt die Abschiede des Herbstes
mit den entblößten Fingern
des Gartens.

Auch der verstörte Blick der Wolke
verharrt
im Drängen des Windes,
der mit winterlicher Kälte
den kraftlosen Leib
der Ebene bedeckt.

Wo in der Seele
hast du dich eingenistet, Schmerz,
dass von Zeit zu Zeit
der Ruf einer Klage
die Stille des Hauses
in Trauer versenkt?

Es ist ein erbarmungsloser Kummer,
Geliebte,
und gewiss
braucht die Luft der Befreiung
den Kreis deiner Arme,
um die schwere Müdigkeit
von den Schultern
zur Erde
zu senken.

Ich wünsche mir ein Gewand,
gewebt aus dem seidigen Faden des Regens,
in der leuchtenden Farbe kindlicher Unschuld —
damit die Kinder
nicht mehr beschämt sagen:
„Diese Tage sind bitter …
tu etwas.“


Arsalan

Wiesbaden, 30. November 2025



Die Zeit ist bitter ( روزگارِ تلخ )




Das schneeweiße Gewand
fällt leise
auf den dunklen Leib der Tage.

Ein Blatt,
das lautlos
im Erdreich verlischt,
zählt die Abschiedsmomente des Herbstes
mit den nackten Fingern
des Gartens.

Auch der wirre Blick der Wolke
verharrt
im Drängen des Windes,
der mit der Kälte des Winters
den kraftlosen Körper
der Ebene bedeckt.

Wo in meiner Seele
hast du dein Nest gebaut, Schmerz,
dass von Zeit zu Zeit
der Ruf einer Klage
die Stille des Hauses
in Trauer taucht?

Es ist ein gnadenloser Kummer,
Geliebte,
und gewiss
braucht die Luft der Befreiung
den Kreis deiner Arme,
um die schwere Last der Müdigkeit
von den Schultern
zur Erde
zu senken.

Ich wünsche mir ein Gewand,
gewebt aus dem seidigen Faden des Regens,
in der leuchtenden Farbe kindlicher Unschuld —
damit die Kinder
nicht mehr beschämt sagen:
„Diese Tage schmecken bitter …
tu etwas.“


Arsalan – Wiesbaden
30. November 2025


Im Reigen des Frostes (ruhiger, eleganter, lyrischer Ton)نسخه‌ی کمی کلاسیک‌تر

 



Das Wiederwerden des Jahres
trägt in diesem Land
den Farbton der Fremde.
Die gleichgültigen Blicke der Vorübergehenden
lassen
die Melancholie der Dämmerung
schwerer werden.

Welch seltsamer Brauch,
schon Monate
vor dem Frühling
das Jahresfest
zu begehen.

Die Ausreden sind einfach;
nur ein Anlass
für ein fremdes Lächeln.

Von Besuchen ist keine Rede;
vielleicht
fürchten sie
die vom Winter
versperrten Wege.

Die Zweige stehen kahl,
und die Bäume,
im Geleit des Frostes,
sind erstarrt.

Dichter Nebel
ruht
in Erwartung
eines Glases
heißen Tees
auf der Erde.

Das Ziegeldach
verharrt jede Nacht
wach
im Klang des Regens;
ohne Schirm
ist selbst der Traum
unerreichbar.

Seit vielen Tagen
ist keine Kunde
von der Sonne gekommen;
vielleicht
verweilt sie
in den Ferien
des Jahresendes.

In der Stille der Gasse
erstarrt
sogar
das Echo des Blicks.

Deine Wangen
stehen in Blüte;
lass mich
durch die Berührung meiner Hände
ein Feuer entzünden.

Arsalan — Wiesbaden
15. Dezember 2025