Aus den letzten Blättern
des Papierkalenders
in der Ecke des Tisches
ließ sich schon erkennen:
Das traurige Herz des Jahres
ist unruhig,
bereit, sich
dem neuen Jahr zu übergeben.
In der Atmosphäre
dieser hoffnungslosen Tage
muss vielleicht
ein Haft-Sin
aus gemeinsamem Schmerz
aufgestellt werden.
Vielleicht aus
der verborgenen Kälte der Seele,
der dunklen Decke des Himmels,
dem brennenden Schmerz
des Wahnsinns der Zeit,
einer Pappel,
noch immer aufrecht,
doch blutrot gefärbt,
einem vertrockneten Lied
auf zitternden Lippen,
der ungläubigen Trauer
der Mütter,
und dem Regen der Grausamkeit
aus jeder Ecke
auf den schutzlosen Körper
dieses Landes.
Und dort —
an der Brust der Zimmerwand —
der neue Papierkalender,
schon müde
von all diesem Warten,
blickt still
auf den Augenblick,
an dem das unheilvolle Jahr
endlich enden wird.
Arsalan – Wiesbaden
13. März 2026
Hinweis:
Das Haft-Sin ist ein traditioneller Tisch zum persischen Neujahrsfest Nowruz, das zur Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert wird. Auf diesem Tisch stehen normalerweise sieben symbolische Gegenstände, deren Namen im Persischen mit dem Buchstaben „S“ beginnen und Leben, Erneuerung und Hoffnung darstellen. In diesem Gedicht werden diese traditionellen Symbole jedoch durch Bilder des gemeinsamen Schmerzes ersetzt. Das Gedicht beschreibt die Spannung des Moments des Jahreswechsels, wenn das alte Jahr endet und ein neues beginnt.

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